Geschichtliches zur Japanischen Akupunktur


Das Wissen der Akupunktur, Moxibustion (Wärmebehandlung von Akupunkturpunkten) und der chinesischen Kräutermedizin wurde – nach Meinung der meisten Autoren – ca. im Jahre 560 n.Chr. von einem chinesischen Arzt und Mönch nach Japan gebracht.

 

Bis zur Mitte des neunten Jahrhunderts wurde alles medizinische Wissen aus China bereitwillig übernommen und erfreute sich in Japan einer großen Verbreitung.

 

Auf Grund verschiedener politischer Probleme wurde der Kontakt danach mit China unterbunden, so dass die japanischen Mediziner nun gezwungen waren eigene Wege zu gehen. In der Zeit zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert geriet die Akupunktur, Moxibustion und Kräutertherapie in Verruf und wurde kaum noch praktiziert.

 

Am Ende des 16. Jahrhundert erlebte die Akupunktur durch das Wirken verschiedener berühmter Ärzte erneut einen Aufschwung.

 

Zum ersten Mal wurde mit Gold- bzw. Silbernadeln behandelt, die Diagnose über die Palpation des Abdomen wurde entwickelt und ein blinder Akupunkteur erfand das „Führungsröhrchen“ womit ein fast schmerzfreie Nadelung möglich wurde.

 

Auch in der weiteren Entwicklung spielten blinde Akupunkteure eine bedeutende Rolle und es wurde eine pragmatischere Herangehensweise, die mehr Wert auf die Praxis als auf die Theorie legte, bevorzugt.

 

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert geriet Japan – wie auch China – unter den zunehmenden Einfluss der westlichen Medizin. So durften nur noch Mediziner, die auch in westlicher Medizin ausgebildet waren, Akupunktur und Moxibustion praktizieren. Dies führte zu einem Bedeutungsverlust dieser Therapieform und ihre Qualität sank unter den bisher hohen Status. Damit nahm Japan die Veränderungen der traditionellen Chinesischen Medizin, wie sie in China 50 Jahre später erfolgten, vorweg.

 

Mitte der zwanziger Jahre erlebte die Akupunktur und Moxibustion einen Wiederaufschwung durch das Wirken verschiedener Ärzte, die die traditionellen Konzepte vertraten und weiter entwickelten.

Im Verlauf der 1400-jährigen Geschichte der Akupunktur und Moxibustion in Japan gingen die Kräutermedizin (seit dem 19. Jahrhundert unter dem Begriff „kampo“ bekannt), anma und shiatsu (in Japan entwickelte Massagetechniken) unterschiedliche und eigenständige Wege der Entwicklung. Unter anderem durch eine restriktive Gesetzgebung unterlag die Akupunktur in hohem Maße sekundären Einflüssen aus dem Bereich der Massagetechniken.

 

Daneben betrachten die Japaner die Kräutermedizin als eine – auch in der Diagnose – von der Akupunktur und Moxibustion vollkommen unabhängige Therapieform – in deutlichem Unterschied zu China.

 

Der japanische Weg der Akupunktur und Moxibustion wurzelt fest in der chinesischen Tradition. Sie haben aber vor dem Hintergrund ihrer eigenen Kultur und angesichts vieler sozialer Umwälzungen eigene Techniken und Ideen entwickelt, die sich deutlich von den chinesischen Konzepten unterscheiden.

 

So spielt die Palpation in der japanischen Akupunktur eine große Rolle, die Nadeltechniken sind einerseits subtiler und feiner als die besonders in China verwendeten, andererseits wurden auch andere Techniken entwickelt und die Moxibustion wurde in ihrer Anwendung erweitert.

 

Das heißt nicht, dass die chinesische Herangehensweise überflüssig ist, aber sie kann durch die in Japan entwickelten Techniken sehr gut ergänzt und erweitert werden, denn auch in Japan erfreut sich die Chinesische Akupunktur einer gewissen Beliebtheit.

 

Gerade in Japan haben sich in den letzten Jahrzehnten durch das Wirken einer Reihe berühmter Akupunkteure verschiedene Akupunkturstile entwickelt.

 

Dieser Pluralismus der verschiedenen Ansätze in der Akupunktur, erlaubt uns ein individuelles Herangehen an die gesundheitlichen Probleme unserer Patienten.